Die Macht der Düfte:

Neue Wirkmechanismen von Duftstoffen für Körper und Geist

 

Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt

Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Biologie und Biotechnologie

 

Riechrezeptorproteine gehören zur Superfamilie der GPCRs und bilden mit 350 Mitgliedern die größte Genfamilie beim Menschen. Mit molekularbiologischen Techniken, kombiniert mit modernen bildgebenden und elektrophysiologischen Verfahren, gelang es inzwischen ca.10% hinsichtlich ihrer Spezifität und Sensitivität zu charakterisieren.

 

Viele dieser Rezeptoren kommen auf allen Körperzellen des Menschen vor, u. a. Spermien und tragen dort zum Fertilisationsprozess bei. Ebenso haben sie in Hautzellen (Keratinozyten, Melanozyten) wichtige Funktionen. So führt z.B. Stimulierung des Rezeptors für Sandelholzduft zu einer verstärkten Proliferation der Hautzellen und beschleunigt die Wundheilung und das Haarwachstum. Ein Riechrezeptor im Herzen, der auf Fettsäuren aus dem Blut reagiert, reduziert die Herzfrequenz und -kraft. Riechrezeptoren werden auch in Tumorzellen exprimiert, wie in Prostata-, Leber-, Blasen-, Darm-  oder Blutkrebszellen. Hier führt eine Aktivierung des Rezeptors zu einer Reduktion des Zellwachstums und der Zellmigration. Experimentelle Fortschritte werden schnell dazu beitragen, besser die zellulären Prozesse zu verstehen und dazu führen, Düfte vermehrt zur Diagnose und Therapie einzusetzen.