Riechen und Fühlen:

Was unseren Geruchssinn mit unserer Psyche verbindet

 

Dr. Eva Heuberger (Geruchsforscherin, Autorin)

 

Ungefähr 28 Wochen nach der Empfängnis ist der Geruchssinn bei menschlichen Föten ausgereift und bereit chemische Reize aus der Umwelt zu entschlüsseln. Auch die ersten Geruchsvorlieben werden bereits vor der Geburt geprägt. Sind wir dann geboren und ist unser Geruchssinn intakt, riechen wir mit jedem Atemzug und sind in der Lage wahrscheinlich mehr als eine Milliarde Gerüche zu unterscheiden. Oft nehmen wir sie nur unbewusst wahr, sie fallen uns gar nicht auf, während wir sie manchmal bewusst bewerten.

Gerüche beeinflussen unsere Stimmung, darüber sind sich WissenschaftlerInnen heute einig. Doch wer aufmerksam ist, kann auch beobachten, dass er / sie je nach Stimmung Gerüche anders wahrnimmt. Neusten Erkenntnissen zufolge wird unser Riechvermögen von unseren Gefühlen beeinflusst! Patienten mit Ängsten und Depressionen riechen anders als gesunde Personen, und das hängt allem Anschein nach direkt mit Veränderungen im Riechhirn zusammen. Unter gewissen Umständen können Gerüche sogar Panikattacken und depressive Episoden auslösen. Und vielleicht tragen Geruchstests in Zukunft sogar dazu bei, Ängste und Depressionen früher erkennen und behandeln zu können.

Der Vortrag beleuchtet die bisher bekannten Zusammenhänge zwischen der olfaktorischen Wahrnehmung und psychischen Störungen, v.a. Ängsten und Depressionen, und zeigt auf, wie diese Erkenntnisse zukünftig für die Diagnose und die Behandlung solcher Störungen genutzt werden könnten.